Die Neue: Henrietta Lidchi

Shownotes

Die Neue: Henrietta Lidchi

Seit Mai 2026 haben das Ethnologische Museum und das Museum für Asiatische Kunst eine neue Direktorin: Henrietta Lidchi. Frisch aus New Mexico nach Berlin gezogen, erzählt uns Henrietta von ihrer bisherigen Laufbahn und was sich in diesen 30 Jahren im Museumsbereich verändert hat. Provenienzforschung läuft heute anders, Kollaboration wird neu verstanden, ein Prozess zur Diversifizierung der Belegschaft von Museen hat begonnen. Außerdem beleuchtet sie, inwiefern die Gründungsgeschichte eines Museums unter Umständen für seine Arbeit deutlich wichtiger sein kann als das Land, in dem es steht. Und wie schätzt Henrietta das Humboldt Forum und seine Arbeit ein?

Henrietta Lidchi, geboren 1966 in London, UK, arbeitete von 1994 bis 2002 in verschiedenen Funktionen im British Museum in London. Nach einigen Jahren im Ministerium für Kultur, Medien und Sport, wo sie Strategieprogramme für Museen und Bibliotheken entwarf, war sie von 2005 bis 2017 bei den National Museums of Scotland beschäftigt. Nach einer Station im Wereldmuseum in Leiden, Niederlande, leitete sie von 2021 bis April 2026 das Wheelwright Museum of the American Indian in Santa Fe, New Mexico, USA. In ihrer Feldforschung setzte Henrietta den Fokus auf den Schmuck Indigener Amerikaner*innen, etwa der Navajo, Zuni Pueblo oder Hopi, im Südwesten der USA.

The new one: Henrietta Lidchi

Since May 2026, the Ethnologisches Museum and the Museum für Asiatische Kunst have a new director: Henrietta Lidchi. Recently arrived in Berlin from New Mexico, Henrietta told us about her career up till now and how the museum business has changed during these 30 years: provenance research works differently today, collaboration is exploring new ways, a process of diversifying museum staff has started. Additionally, she highlighted how a museum’s founding history may be a lot more important for its work than in which country it is located. And how does Henrietta see the Humboldt Forum and its work?

Henrietta Lidchi, born in 1966 in London, UK, worked at the British Museum in London in different positions from 1994 to 2002. After some years in the Department for Culture, Media and Sports, where she developed policies for museums and libraries, she was Keeper at the National Museums of Scotland from 2005 to 2017. After a stint at the Wereldmuseumin Leiden, Netherlands, she was director of the Wheelwright Museum of the American Indian in Santa Fe, New Mexico, USA. In her field research, Henrietta focussed on the jewelry of Indigenous Americans, e. g. the Navajo, Zuni Pueblo, or Hopi in the Southwest of the USA.

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00:00:01:

00:00:02: Der Podcast zu neuen Formen der Zusammenarbeit im Ethnologischen Museum und dem Museum für Asiatische

00:00:07: Kunst Berlin.

00:00:21: Ich bin Anna Schäfers, Kuratorin für Texts- und Sprache beim Projekt das Kollaborativemuseum

00:00:26: Und ich bin Katharina Erben Freiberufliche Kulturredakteurin.

00:00:31: Wir nähern uns langsam dem Ende dieser Podcast-Reihe, da haben wir gedacht, wir probieren mal was Neues.

00:00:37: Heute haben wir nur eine Gästin für euch!

00:00:40: Henrietta Litschie ist die neue Direktorin des ethnologischen Museums und des Museums für Asiatische Kunst.

00:00:47: Sie ist seit Mai, zwanzig sechsundzwanzig meine Chefin und also gerade frisch nach Berlin gezogen.

00:00:52: Ihre Laufbahn begannen sie in der Mitte den neunzehntneunziger Jahre im British Museum war dann für drei Jahre im Department for Culture Media in Sport der britischen Regierung die Leiterin des British Library and National Museums Policy Branch, bevor sie in Edinburgh den ethnologischen Teil der National Museum of Scotland leitete.

00:01:10: Von dort ging sie ans Weltkulturen-Museum in Leiden in den Niederlanden und war dann Executive Director das Wheelwright Museum of the American Indian in Santa Fe New Mexico.

00:01:22: Henrietta hat dabei unterschiedliche Aufgaben übernommen.

00:01:25: Strategieentwicklung und die Praxis als Kuratorin waren aber immer ihr Fokus.

00:01:46: Am Herzen liegen hier die Sammlungen der Museen.

00:01:49: oder etwas, das ich immer zurückgegeben habe.

00:01:56: Ich bin oft interessiert in wie die Kollektionen kommen zu Museums, wie diese Kollektion von den Kulturen, aus denen sie originally kamen, was die Motivationen der Kollektoren sind und wie wir sie verstehen können.

00:02:15: als Assemblager in dem aktuellen Moment given those considerations so to think of what.

00:02:38: Wie sind Sammlungen in die Museen gelangt?

00:02:41: Bei Museum mit ethnologischen Themen bedeutet das, auf welche Weise sie den Herkunftsgesellschaften entnommen wurden.

00:02:49: Was war die Motivation, die Sammlung anzulegen?

00:03:01: Das ganze

00:03:11: Commitment...

00:03:30: Bei der Provenienzforschung ging es früher hauptsächlich darum, die Echtheit eines Kunstwerks zu prüfen.

00:03:37: Im Zusammenhang mit heutiger Sammlungsforschung geht es eher um die Beziehungen der Culture Belongings und auch der Sammelenden zu den Herkunftsgesellschaften, denen diese Dinge einmal gehörten oder vielleicht eigentlich immer noch gehört.

00:04:10: In

00:04:27: den letzten zehn Jahren haben Menschen im Museum immer mehr das Verständnis dafür entwickelt, ethnologische Sammlungen als ein koloniales Konstrukt zu begreifen mit verräterischen Lehrstellen.

00:04:38: Um das Potenzial der Sammlung zu entfalten, müssen Museen sich mit der Komplexität der Sammlungsgeschichte beschäftigen.

00:04:45: Sie müssen die Vergangenheit ihrer Sammlunge analysieren und sich dieser schwierigen Vergangenheitsstellen Durch ein Archiv oder eine Sammlung bekommt Henrietta einen Eindruck davon, ob sie sich mit den Sammlungsverantwortlichen, die die Sammlungen damals zusammengestellt haben gut verstanden hätte.

00:05:27: Oder eben auch nicht!

00:05:42: Henrietta versteht es als Privileg, mit den diversen Museumssammlungen zu tun haben die aus den unterschiedlichsten Gründen angelegt wurden.

00:06:11: Diese Arbeit mit den Sammlungen können nur in Kollaboration funktionieren.

00:06:16: Das freut uns als Teil des Projekts das kollaborative Museum durchaus, dass die neue Chefin das genauso sieht wie wir!

00:06:25: Aus der Perspektive eines Museums und der Sammlung, die es bewahrt ist eine Direktorin nur vorübergehend da.

00:06:31: Nur ein kleiner Teil seiner Geschichte.

00:06:34: Henrietta sieht sich daher in der Verantwortung museum-und sammlungen an zukünftige Menschen spannender zu übergeben als sie sie vorgefunden

00:06:42: hat.

00:06:53: Da stellt sich die Frage, für wen das Museum spannender werden soll.

00:06:57: Wer kommt ins Museum?

00:06:59: Wie wurde Henrietta

00:07:17: Museumsv?

00:07:36: Für die kleine Henrietta war das Museum einfach ein Ort, an den sie regelmäßig ging und zeichnete.

00:07:42: Da gab es keine Schwelle, die überwunden werden musste.

00:07:46: Umso mehr überraschte es sie Als in ihrer Zeit im British Museum eine Freundin ihr verriet, dass sie ohne Henrietta nicht ins Museum gegangen

00:07:53: wäre.

00:07:55: Die britische Regierung hat es seit Jahrzehnten

00:08:15: den Eintritt zu Nationalmuseen Gratis gemacht Und den Museen zur Aufgabe gesetzt, ein größeres, breiteres, diverses Publikum zu erreichen.

00:08:25: Wie sieht es mit der Belegschaft von Museen aus?

00:09:04: Die Belegschaft war durchaus divers, über das gesamte Museum verteilt.

00:09:09: Nur hatten auf den oberen Chefetagen alle den gleichen Hintergrund und die Aufsichten hatten untereinander ebenfalls den gleichen Nur eben einen anderen als die Leute in der Chefetage?

00:09:20: Klassismus spielte da eine große Rolle.

00:09:23: Wie ändert man das?

00:09:25: Worauf muss man beim Einstellungsverfahren achten?

00:09:38: Und... Kannst du eigentlich Kandidaten von verschiedenen Kommunen in deiner Region oder der Nationalkultur, die mit dir arbeiten wollen?

00:10:06: Die Leute wollen für deine Jobs verabschieden.

00:10:16: Und diese Willigkeit oder diese Eröffnung... Es braucht mehr Effort!

00:10:30: Du kannst nicht nur bürokratisch sagen, dass du etwas aufhörst und

00:10:37: dann... Zunächst einmal muss das Museum sich so darstellen und verändern.

00:10:42: dass Menschen aus verschiedenen Schichten und mit verschiedenen Hintergründen es überhaupt als interessanten Arbeitsplatz wahrnehmen.

00:10:50: Vielleicht gibt's auch mehr als einen Ausbildungsweg, um als Kuratorin zu arbeiten.

00:10:55: Deutschland ist dann noch etwas regierter als zum Beispiel Großbritannien.

00:10:59: Dort achtet man bei der Rekrutierung auch häufiger auf Kombinationen von Eigenschaften und Fähigkeiten innerhalb eines Teams.

00:11:07: Letztlich geht es beim Thema Vielseitigkeit darum, den ganzen Museumsbereich fortschrittlicher zu gestalten.

00:11:52: Henrietta hat nicht nur viele verschiedene Aufgaben in ihrer Karriere erfüllt, sondern an den Museen, an denen sie gearbeitet hat auch unterschiedliche Rahmenbedingungen vorgefunden.

00:12:11: Sie fragt sich, ob Museen überhaupt vergleichbar sind.

00:12:15: Ob die Unterschiede zwischen einzelnen Museen nicht vielleicht größer sind als die Unterschied von Land zu Land?

00:12:47: Henrietta glaubt, es spielt eine größere Rolle, wem die Sammlung im übertragenen Sinne gehört.

00:12:53: Wem das Museum Rechenschaft ablegt wie es intern strukturiert ist

00:12:57: In der Weise, dass die Dokumentation gebildet wurde – also das britische Museum, in dem ich gearbeitet habe.

00:13:15: Wir hatten diese hohen Leger-Bücher oder Rekorde und aus den middl.

00:13:20: XIX.

00:13:20: Jahrhunderten waren es Literarien von jedem Item, welches zur Kollektion kam.

00:13:26: Als ich nach Santa Fe ging, war ein privates Museum.

00:13:45: Das British Museum, in dem Henrietta acht Jahre lang gearbeitet hat ist aus der Geisteshaltung eines Antiquariats gegründet worden.

00:13:53: Es ist riesig und hat ein starkes Bewusstsein für Zeit – das zeigt sich zum Beispiel in den Inventarbüchern dort riesige Folianten, die ab der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts zu jedem Gegenstand der Sammlung Handzeichnungen haben.

00:14:07: Am Wheelwright Museum – einem im Vergleich dazu sehr kleinen privaten Museum ist die Dokumentation über die Sammlungen deutlich kleiner.

00:14:15: Wenn man Informationen findet dann eigentlich nur in den Briefen von HändlerInnen und SchänkerInnen.

00:14:20: Die verfolgte Logik war hier eher die von Privatensammlerninnen

00:14:27: Sollte Unterschiede haben damit zu tun, wie Museen Wissen verstehen und Wessen wissen höheres Ansehen und deshalb Privilegien genießt.

00:14:35: Solche Unterschiede zeigen sich in

00:14:37: Nuancen.".

00:14:55: Vorher kommen diese Unterschiede.

00:15:04: Das British Museum war Teil des Projekts British Empire, das Wheelwright-Museum entstand aus persönlichem Interesse und Kontakt der Gründerin mit Menschen in New Mexico.

00:15:16: Man sollte also ihre Gründungsgeschichte stärker in den Blick nehmen um Unterschiede zwischen Museen zu erklären.

00:15:40: Der politische Kontext ist natürlich nicht unwichtig.

00:15:43: Die Debatten sieht Henrietta aber zu unterschiedlichen Zeiten in unterschiedlichen Ländern unterschiedlich artikuliert.

00:15:50: Sie wirken sich darauf aus, was ein Museum antreibt Welche Prinzipien für Forschung, Zugänglichkeit öffentliche Wertschätzung... ...für die Zusammenarbeiten gelten?

00:16:01: Das Humboldt-Forum ist ein wirklich komplexes Umgebiet.

00:16:04: Es ist eine Location, das sieht so aus wie wenn es in den Hunderts von Jahren war

00:16:10: und in der Realität nur fünf Jahre war.

00:16:24: als sei es viele hundert Jahre

00:16:26: alt.

00:16:26: Wenn man

00:16:55: das Humboldt-Forum betritt, versetzt ein das Gebäude in einen bestimmten emotionalen Zustand.

00:17:01: Wegtspezifische Erwartungen!

00:17:03: Die Frage ist wie diese Emotionen mit dem zusammenspielen was die beiden Museen in ihren Ausstellungen sagen wollen?

00:17:10: Für Henrietta ein interessantes Dilemma.

00:17:21: Denn das Humboldt-Forum hat ja neben den beiden Museen, um die es bei uns hier geht eben auch die Player Humboldd Universität, das Stadtmuseum mit der Ausstellung Berlin Global und die Stiftung Humboldthorum mit jeweils eigenen Ausstellungsflächen.

00:17:37: Und dazu noch kollaborative Formate.

00:17:39: Das ist für Außenstehende extrem schwer zu durchschauen

00:17:51: Enterprise, als wenn sie in die Ethnologische Museum und der Asien-Artenmuseum gehen.

00:17:58: Wenn es mit den Entwurzungen zu tun wäre.

00:18:00: Ich denke, dass für die Visitoren – sicherlich für die internationalen Visiten – sehr schwierig zu verstehen ist.

00:18:06: Und ich glaube, was wir damit machen sollten, ist, sich jedes Spass so attraktiv wie möglich, sodass wir ihnen empfehlen können, um eine Konversation mit uns über die Kollektionen zu haben oder über die Arbeit,

00:18:23: Ziel der Akteure sollte es sein, alle Teilbereiche so attraktiv wie möglich zu machen.

00:18:29: Damit die Gäste mit den Museen über ihre Arbeit und ihre Ausstellung in Dialog treten.

00:18:36: Schon der Teilbereich des Umweltforums, den Henrietta als Direktorin übernommen hat steht im Schnittpunkt verschiedene Einflussbereiche.

00:19:05: Wer hat alles Einfluss auf die beiden Museen, den Henrietta vorsteht?

00:19:09: Das Publikum das hoffentlich zu uns kommt.

00:19:12: Dann ist da die Stiftung preußischer Kulturbesitz unter deren Dach die Museen agieren und die das Geld verwaltet.

00:19:19: Dazu kommt das BKM, also der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien mit seinem Stab.

00:19:25: Der bestimmt wie viel Geld die Museen überhaupt bekommen.

00:19:29: Das ist strukturell alles nicht ganz einfach und zeigt auch hier, wie komplex Kollaboration

00:19:49: ist.

00:20:01: Henrietta hat uns erzählt, was sie an der Arbeit im Museum so gefällt.

00:20:31: Auch wenn sie in den letzten zehn Jahren dreimal international umgezogen ist, von Edinburgh nach Leiden nach Santa Fe jetzt nach Berlin läuft sie doch immer wieder den gleichen KollegInnen an neuen Orten über den Weg.

00:20:44: Professionelle Gespräche und Zusammenarbeiten werden da einfach fortgesetzt.

00:20:48: Unter anderem haben alle großes Interesse an der Arbeit der Kolleginnen.

00:20:53: Museumsmenschen sind eine invested professional group, eine engagierte

00:20:57: Berufsgruppe.".

00:20:59: Und also ist es ein investiertes professionelles Grupp.

00:21:11: Das bedeutet, dass wir uns wiederholen.

00:21:13: Also für mich ist das der Schöne des Museums, dass man diese intensiven Erfahrungen haben, die zusammenarbeiten mit Artisten oder Gemeinden oder Forschungsprojekte.

00:22:05: Menschen können auf verschiedene Weisen zusammenarbeiten.

00:22:09: Auch wenn sie nicht in allen Details übereinstimmen.

00:22:12: Wichtig ist es, sich auf Prinzipien zu einigen und einigen zu wollen.

00:22:17: Für Henrietta ist das eine der Definitionen für Kollaboration – und das hat auch was mit Macht zu tun!

00:22:40: Echte Kollaboration setzt voraus, dass Macht gleich verteilt ist.

00:22:45: Das ist gerade auch in der kollaborativen Museumsarbeit eine der Schwierigkeiten.

00:23:02: Genau wie Henrietta glauben wir daran – das Kollaborations sich lohnt!

00:23:07: Zweimal könnt ihr uns noch hören.

00:23:09: Wir hoffen, dass euch der Podcast so viel Spaß gemacht hat

00:23:26: wie

00:23:29: uns!

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